Am 23. November 2019 wird die „Förderstiftung konservative Bildung und Forschung“ zusammen mit der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zum 11. Mal auf der Spandauer Zitadelle den „Gerhard-Löwenthal-Preis“ verleihen. Die Stiftung ist auch Trägerin der „Bibliothek des Konservatismus“, die sie sich 2012 im noblen Stadtteil Charlottenburg als „Denkfabrik und Ideenschmiede“ schuf. In welcher Richtung dort gedacht wird, ist schnell klar, der Laden wimmelt von rechts“konservativer“ bis hart rechtsextremer „Literatur“. Der Preis erklärt sich zum Journalistenpreis – er wurde von der Witwe Löwenthals und einem ehemaligen ZDF-Moderator ins Leben gerufen, um „kontinuierliche, besonders qualitätsvolle und bahnbrechende Beiträge“ auf dem Gebiet des „freiheitlich-konservativen Journalismus“ auszuzeichnen. So schön können es nur die Preisverleihenden selbst formulieren. Das kann nicht über den wirklichen Zweck hinwegtäuschen – nationalkonservative Werte und ausgrenzende, rassistische Denkweisen hoffähig zu machen.

Bisher wurde der Preis nahezu ohne Gegenwehr auf der Spandauer Zitadelle verliehen – das Bezirksamt sah sich nicht gezwungen zu handeln, obwohl es dem zuständigen Stadtrat schon 2009 bei der Beantwortung einer BürgerInnenanfrage „nicht unbedingt recht war“. Er erklärte es mit der legalen Anmietung dieser Räume. Inzwischen wissen wir, dass die Junge Freiheit nur die Vorhut für die nachfolgende AfD war – sie hätte, wäre die Nutzung für Parteien nicht wenigstens zeitlich etwas eingeschränkt worden – wohl jeden Monat eine oder mehrere Parteiveranstaltungen in ansprechendem Ambiente durchgeführt. So ein schönes verlängertes Wohnzimmer kann man sich doch nicht entgehen lassen.

Wir sagen: Es reicht! Im Grunde ist es egal, ob sich rechtskonservative Rassisten auf der Zitadelle oder in anderen Räumlichkeiten versammeln wollen, sie haben in unserer Vorstellung von Gesellschaft nichts zu suchen. Aber diesen Ort werden wir ihnen madig machen. Spandau mag etwas verschlafen sein, aber eines der wichtigsten kulturellen und geschichtlich interessanten Zentren als Kaderschmiede und Ehrung für rechte PopulistInnen zu vermieten, ist mehr als „unwissende Fahrlässigkeit“ und darf nicht mit „normalen“ Vermietungsspielregeln begründet werden. Die Spandauer Bezirkspolitik muss sich im Klaren sein, welchen Ruf sie zu verlieren hat. Die Diskussionen um eine Punkband, bei der liebedienerisch auf populistische Phrasen der AfD eingegangen wurde, haben gezeigt, wohin falsche Berichterstattung führen kann.

Kommt alle zahlreich zur Kundgebung gegen rechte Propagandisten und Zündler, gegen Nadelstreifennazis und andere Unverbesserliche. Wir werden die Zitadelle, die von einem russischen Parlamentär und der Roten Armee 1945 ohne Blutvergießen befreit wurde, nicht in den Händen der Neurechten lassen.

Sonnabend, 23. November 2019, 15.00 Uhr, Zitadelle Spandau

Den Aufruf findet ihr hier: Aufruf2019

Wer diesen Aufruf unterstützen möchte oder fragen hat, kann an uns schreiben: info@antifa-spandau.de