7. November 2020 – zwei Tage vor der dem Gedenken an die Pogrome 1938 – knapp 70 Menschen versammelten sich zum Protest gegen das Geschäft „Nordic Company“, das seit März 2019 seinen „Ruhesitz“, so könnte man meinen, nach Spandau verlegt hat. Wie versprochen war es eine kurze und knackige Darstellung der Gegenwehr unterschiedlichster Menschen, die eines verbindet: Nazis und ihre Propaganda haben auch in Spandau nichts zu suchen. Im Bungalow am Brunsbütteler Damm 112 gingen sofort die Rolladen herunter, durch einen Spalt versuchte man, die Menschen auf der anderen Seite abzulichten. Auch gefilmt wurde von einem Pärchen.

 

Aus einem Text:

Warum stehen wir hier?

Vor einigen Monaten tönte jemand im Gespräch – was soll das denn, Widerstand gegen den Verkauf von dieser Marke, das stört doch echt keinen mehr? Das mag sein, denn so sehr ist die Alltagskleidung der Menschen auf Herstellernamen und Logos ausgerichtet, dass kaum noch gelesen wird, was da prangt. Und wer nicht Bescheid weiß, sieht eben keine Unterschiede. Doch ein Blick hinter die Kulissen ist ratsam und, wir wissen es alle, Kleidung ist kein gedankenloses Stilmittel und Verantwortung für die eigene Person muss sich auch daran messen lassen.

Schauen wir auf diesen Laden – hinter dem Titel Nordic Company verbirgt sich ein florierender Handel mit ideologisierter Kleidung. Eine Marke von Nazis für Nazis, schließlich setzt das Label auf Runen, nordische Mythologie und deutsche Kolonialgeschichte, Themen, die in der rechten Szene sehr beliebt und nicht zuletzt durch den Wiedererkennungseffekt identitätsstiftend sind.

Seit Jahren fließt Geld aus dem Verkauf auch in die Stärkung von rechtsextremen Projekten und Aktionen. Der Beliebtheitsgrad hält sich ungebrochen, die Runen-Logos und Schriftzeichen sind klare Statements zu völkischer, nationaler und rassistischer Denkweise und Politik. Inzwischen werden auch Klamotten für Kinder gehandelt. Hergestellt ganz unbeanstandet in China und der Türkei.

Hier in diesem Laden in Spandau sind selten Personen zu sehen, es ist ja auch nicht gerade eine Einkaufs- oder Flanierstraße hier und Zufallskäufe sind ausgeschlossen. So ist anzunehmen, dass sie dieses „ruhige Hinterland“ nutzen, um den Online-Handel anzukurbeln und vielleicht auch das eine oder andere Treffen mit Gleichgesinnten zu organisieren.

Der Vermieter (D. St.) schweigt beharrlich und verweigert damit, den Mietvertrag aufzulösen. Briefe von Initiativen und Parteien werden ignoriert. Dabei sind ihm alle Möglichkeiten aufgezeigt worden, wie er seine Entscheidung, seinen Fehler, einem rechten Verkaufstreiben Raum und Ort zu geben, zurück nehmen, also ändern kann. Und das ist dringend nötig. Wir wollen auch in Spandau kein Geschäft, dass zur Verbreitung einer Ideologie beiträgt, die menschenverachtend, rassistisch und nationalistisch ist. Wir wissen, dass mit dem Fehlen dieses Ladens nicht automatisch die Denkweise verschwindet, das wäre wohl zu einfach. Aber, es ist wichtig, über Entstehung und Zweck einer solchen Kleidungsmarke aufzuklären und ihre Auftritte, egal, ob unter dem Namen Nordic Company oder anderen und klar zu sagen, ihr habt Ladenschluss, wir wollen euch nicht, weder hier noch anderswo.

Und, jeder Mensch, der eine solche Marke kauft, unterstützt wissentlich oder unwissentlich eine totalitäre, rassistische und menschenverachtende Ideologie.

Wir wollen keinen Umschlagplatz für Naziklamotten und schon gar nicht für ihre Ansichten. Weder hier in Spandau noch anderswo.

In der Wohnumgebung müsste inzwischen bekannt sein, wer das seit über einem Jahr ein neuer Nachbar ist, es scheint nicht zu stören, vielleicht noch mehr, eventuell begrüßt man den Laden?? Hier kam eine Anwohnerin (mittig, in Gelb) unmaskiert zum Gespräch mit der Polizei dazu.

Wer mehr wissen will, kann auch hier nachlesen.