Es geht an uns allen nicht vorbei – die Welt hat sich verändert und wird es weiterhin tun. Achtsamkeit ist eine der wichtigsten Aufgaben, der wir uns stellen müssen. Eine Zeit, in der Corona-Leugnern und Schwurblern jeglicher Coleur, denen es nichts ausmacht, mit HardcoreNazis in einer Reihe zu marschieren, die Staatsmacht mit Wattebäuschen entgegentritt, aber SPD-Politiker die Gefahr von Links aus der Mottenkiste herausfabulieren, wie Herr Pistorius in Niedersachsen und seine Konsorten in Berlin, gilt es, sich erneut zu solidarisieren im Kampf gegen Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Ausbeutung und Krieg.

Wenn Autos mehr wert sind als Menschenleben, ist spätestens klar, wohin der Weg von Altparteien und neuen Nazis gehen wird. Die Krokodilstränen zu antifaschistischen Anlässen können sie sich verkneifen, denn Worte und Taten zeigen, wie es gemeint ist: Antifaschismus ist ein lästiger Begriff, der längst überholt ist. „Unsere deutschen Jungs“ in den „ausgebluteten“ Dörfern sind nicht ohne Grund entstanden, es ist eine klare politische Ansage, ihnen lieber das Feld zu überlassen, als kritische Worte von linken Akteuren zuzulassen…. Kapitalismus in Reinform ist eben keine menschenfreundliche Alternative. Funktionieren und die Klappe halten soll der Mensch!

Erich Meier, geboren am 16. Dezember 1910, ermordet in der Nacht zum 11. März 1933

Nun, das Spandauer Bündnis gegen Rechts erinnert jedes Jahr im März an einen aufrechten jungen Mann, der es wahrscheinlich heute auch schwer gehabt hätte – schließlich hat er, Erich Meier, der SAJ (Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend) den Rücken gekehrt, als auf dem SPD-Parteitag 1931 die Forderung laut wurde, die SPD sei „Arzt am Krankenbett des Kapitalismus“ – 22 junge Menschen veranlasste das, in den KJVD (Kommunistischer Jugendverband Deutschlands) überzuwechseln.

Die Rolle der SPD scheint sich in den letzten 100 Jahren kaum verändert zu haben. Bis heute erkennt sie eigene Fehler nicht, wählt sich Führungskräfte, die keine Ahnung haben und ausschließlich Selbstdarstellung praktizieren und wird wohl bei sich selbst Arzt sein müssen.

Zitat aus der Broschüre: „Erich Meier und seine Zeit“ von Willi Döbbelin, 2004, Seite 24

„Die militante Rechte, von Justiz und Polizei nur halbherzig dafür zur Rechenschaft gezogen, ging immer brutaler gegen die Linke vor. Der Faschismus eskalierte zur nationalen Gefahr Nr. 1. Die SPD erkannt nicht klar genug oder zu spät, dass mit Brüning eine autoritäre Rechtsentwicklung eingesetzt hatte, in deren weiterem Verlauf Reichstag und demokratischer Parlamentarismus immer mehr an Bedeutung verloren, und verfolgte weiter ihren Tolerierungskurs.“

Auch wenn das bei politische Parteien insgesamt zum Kalkül gehören zu scheint, ist es doch besonders schmerzhaft, wenn alle anderen erkennen, dass eine Partei ihre Grundsätze verrät und sie selbst das nicht mitbekommt. Ähnlich ist es ja bei den Grünen – Regierungsbeteiligung befreit sie inzwischen von der Verantwortung für einstige Überzeugungen. Nun, auch die Selbstzerfleischungen der Linken geben kein gutes Bild wieder. Nato ja/nein, Kriege ja/nein, Kuba oder Dissidenten unterstützen ja/nein??? Wer Verantwortung in einem gewählten Amt trägt, darf sich nicht mit schnöden Kompromissen zufrieden geben – aber für manchen, egal in welcher Partei, entscheidet der Karrierewillen über die Haltung.

Trotz alledem – wir laden auch in diesem Jahr am zweiten Sonntag im März zum Gedenken an Erich Meier ein!

Auf ein Treffen danach wollen wir verzichten und auf dem Friedhof sollten wir mit Abstand und Masken stehen.

So treffen wir uns am Sonntag, dem 14. März 2021 um 13.50 Uhr auf dem Parkplatz des Friedhofes in den Kisseln und werden gemeinsam zum Ehrengrab Erich Meiers gehen. Dort wird es die Möglichkeit für ernst gemeinte Textbeiträge, die keine Lippenbekenntnisse sind, geben. Seien wir uns der Gefahren unserer Zeit auch heute bewusst.