Spandau ist als Randgebiet Berlins nicht für alle ein Begriff, manch einer/eine denkt sogar, hier wäre schon der BVG-C-Tarif zu zahlen, andere wiederum „fahren hier einfach nur durch“. Jedoch, Spandau hat wie jeder andere Berliner Bezirk eine eigene Geschichte: von hier aus wollten die Nazis „Berlin einnehmen“ und hier waren in den letzten Kriegstagen 1945 die am blutigsten umkämpften Berliner Brücken. Spandaus altes Militärgefängnis mit wechselvoller Geschichte diente dann den Allierten als einzig möglicher Unterbringungsort für die verurteilten Kriegsverbrecher von Schirach, Dönitz, von Neurath, Raeder, Speer, Funk und Heß, da alle vier Mächte gemeinsam zuständig sein konnten. Seit 2017 versuchen Neonazis erneut, diesen Ort zur Verehrung vom Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß zu missbrauchen.

Spandau ist aber auch aus anderer Hinsicht besonders zu betrachten: es war der zweite Bezirk nach Kreuzberg, der für den Zuzug von türkischen „Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern“ vorgesehen war. So hat sich über die letzten Jahrzehnte eine große Vielfalt an Kulturen entwickelt, die miteinander diesen Bezirk gestalten und mit Leben erfüllen. Diese Vielfalt gilt es zu erhalten. So werden wir alle Versuche, Spandau für nationalistische, menschenverachtende Ziele zu nutzen, zu unterbinden wissen. Um sichtbar auf manche Missstände hinzuweisen, wollen wir uns aufs Fahrrad schwingen und an einigen Orten vorbei radeln, an denen es aus historischen und gesellschaftspolitischen Gründen zu verharren gilt.

Wir laden alle ein, am Sonnabend, dem 22. Juni 2019 ab 16 Uhr dabei zu sein! Beginn: U-Bahnhof Zitadelle

Aus dem gemeinsamen Aufruf:

Kein Kiez für Nazis! Antifaschistische Stadtrundfahrt durch Spandau

22.Juni 2019 // 15:00 Ernst-Reuter-Platz // 16:00 U7-Zitadelle Spandau

Spandau droht zu kippen! Ist für die meisten Berliner_innen Spandau ein etwas verschlafener Bezirk am Rande der Stadt, wird er für Nazikader, Thor-Steinar-Träger_innen, AfD-Prominenz und die Grauen Wölfe zu einem neuen Zentrum.

Doch ihnen wird am 22.06.2019 eine entschlossene Fahrraddemo in die Parade fahren! Wir werden Stätten rechter Umtriebe markieren und an antifaschistischen Widerstand erinnern.

Zuletzt ist eine rasante Zunahme rechter Aktivitäten zu verzeichnen: Seit 2017 versuchen Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet in Spandau ein jährliches Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess zu etablieren. Im März 2019 hat am Brunsbütteler Damm ein Thor-Steinar-Laden eröffnet, der nicht nur Nazis in Spandau, sondern auch in Berlin und Umland mit Nazi-Nickis versorgt. Zahlreiche Sprühereien gegen Antifaschist_innen oder kurdische Genoss_innen verdeutlichen rechte Aneignungsversuche im öffentlichen Raum.