Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V. [Berliner VVN-BdA e.V.] schreibt:

8. Mai 2020 – Der polnischen Befreierinnen und Befreier von Berlin gedenken

In Gedenken an die Soldatinnen und Soldaten der 1. Polnischen Armee, die 1945 als Teil der Anti-Hitler-Koalition an der Schlacht um Berlin teilnahmen und in Charlottenburg und Tiergarten für die Befreiung Polens und Europas vom Faschismus kämpften.

 Die Gebäude der damaligen Technischen Hochschule, die am 2. Mai 1945 durch die 1. Tadeusz-Kościuszko-Division befreit wurde, stellten eine der am stärksten umkämpften Stellungen auf dem Weg zur Reichskanzlei dar. Hunderttausende Polinnen und Polen kämpften an allen Fronten des Zweiten Weltkrieges gegen den Nationalsozialismus. Im Jahre 2012 kehrten neun ehemalige polnische Kombattantinnen und Kombattanten der 1. Polnischen Armee auf Einladung der Berliner VVN-BdA an die Schauplätze der „Schlacht um Berlin“ zurück. Sie berichteten von ihren Schicksalen und schweren Entscheidungen vor die sie als junge Menschen gestellt wurden: einerseits der Auftakt zum Vernichtungskrieg durch den deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939, anderseits die sowjetische Besatzung Ostpolens am 17. September 1939 und stalinistische Deportationen nach Sibirien (1940-1941). Nach einer sog. Amnestie gelangten 1941 zahlreiche Polen aus den Gulags in die Polnische Armee, die in der Sowjetunion unter General Władysław Anders formiert wurde. Viele Polen erreichten die 1942 in den Nahen Osten evakuierte Armee jedoch nicht rechtzeitig. Deshalb schlossen sich weitere Sibirien-Deportierte 1943 der neugeschaffenen 1. Polnischen Armee unter General Zygmunt Berling an. Nach dem gescheiterten Warschauer Aufstand wurden 1944 auch ehemalige Aufständische der Heimatarmee (Armia Krajowa) in ihre Reihen aufgenommen. Die 1. AWP kämpfte in Charlottenburg und Tiergarten und nahm an der Befreiung des deutschen KZ Sachsenhausen teil. Nachdem im Jahre 2015 einige von ihnen erneut nach Berlin eingeladen wurden und durch den Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf und im Berliner Abgeordnetenhaus von der LINKEN empfangen wurden, entstand die Idee, ihren Beitrag zur Befreiung Berlins öffentlich zu würdigen. Auf Vorschlag der SPD in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf und mit Unterstützung durch die Berliner VVN-BdA und den AStA der Technischen Universität beschloss die BVV, eine Form des Gedenkens zu finden, die der Erinnerung an die Befreiung Charlottenburg-Wilmersdorfs vom Nationalsozialismus gerecht wird und den besonderen Anteil der Frauen und Männer in den polnischen Verbänden bei den Straßenkämpfen in unserem Bezirk hervorhebt. Die Gedenkplatte für die polnischen Befreierinnen und Befreier vor der TU Berlin soll anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus den Dank an unsere polnischen Nachbarn, die „für unsere und eure Freiheit“ kämpften, würdigen und den Versöhnungsgedanken stärken.

Wir bitten mit Spenden (Stichwort „Befreier gedenken“) ein Gedenken an den opfervollen Beitrag unserer polnischen Nachbarn in Berlin zu unterstützen:

Berliner VVN-BdA e.V.
Berliner Sparkasse
IBAN: DE90100500000013302663
BIC: BELADEBE