Die Spandauer Zitadelle – ein Ort für Kunst und Kultur, für Geschichte und Theater. Seit dem Wahlerfolg der AfD 2016 in Spandau (9 Bezirksverordnete, ein Stadtrat) wird dieser Ort mit seinem besonderen Ambiente mehrmals jährlich von dieser Partei für Parteitage, Empfänge, Sommerfeste und ähnliches genutzt. Hier fühlt sich die deutsche „Mittelstandsalternative“ richtig wohl, hier lässt sich in ansprechendem Ambiente verkünden, was man von der Politik in Berlin und generell hält. Dafür taugt kein anderer öffentlicher Ort genau so gut – Schulen und Kitas würden wohl ihr Recht auf Abwehr nutzen, Senioreneinrichtungen vielleicht auch, und „…so verfallen wie das alles ist“, nimmt man sich doch sehr viel lieber die ordentlich wiederhergestellte Festung aus der Hochrenaissance!

Am letzten Septemberwochenende hatten sie wieder geladen zum Parteitag, illustre Gäste erschienen, es war eine große Schau der Eitelkeiten und Gesichter wie aus dem Panoptikum. Die Polizei hatte aufgemuskelt und ließ nur durch die mit Gittern zugestellte Schneise, wen sie auf der langen Gästeliste fanden. Gesichtskontrolle einmal anders. Wer nicht ins Schema passte, keinen Presse- oder AfD-Ausweis oder andere nachweisbare Berechtigung für den Zutritt hatte, musste draußen bleiben. Auch mögliche zahlende Gäste, die eigens diesen Ort besichtigen wollten. Und eben die Handvoll Demonstranten. Streng hinter Hamburger Gittern Auge in Auge mit den Einsatzkräften, die sorgfältig darauf achteten, dass niemand das abgesperrte Terrain verließ. So viel Angst erzeugte diese kleine Gruppe, die mit Musik und Redebeiträgen auf die Unverschämtheit hinwies, dass eine solche Partei dieses Gelände als ihr Eigentum betrachtet und ein beeindruckend großes Aufgebot von Polizisten sie dabei unterstützt….

Aber: dafür haben die Befreier nicht ihr Blut vergossen, dass 73 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs Parteien, die ihr Heil im Deutschtum suchen, wieder hier jubeln dürfen.

Jedoch, es ist auch das Zeichen dafür, was in dieser Gesellschaft los ist: Konnte schon die NPD mit ihren gewaltbereiten Aktionären nicht verboten werden, weil sie „zu sehr mit dem Verfassungsschutz verbunden“ war oder in zweiter Instanz „keine Gefahr mehr von ihnen ausginge“ – haben sich große Teile dieser National-Deutschen in der neuen Sammelbewegung der AfD wieder gefunden. Hier tummeln sich harte Rechtsaußenkader neben kleinbürgerlichen „man-muss-doch-mal-sagen-dürfen“-Nachbetern.

Das Mäntelchen der Demokratie wissen sie weidlich zu nutzen – wir werden es ihnen weiterhin schwer machen, unbeanstandet ihre Feste und Parteitage zu feiern!