Am 20. Mai gab es zur ominösen Gedenktafel-Farce zu Wladimir Gall eine Bürgeranfrage und zwei Parteienanträge in der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung.

Gedenktafel aus Kunststoff, durch den CDU-Stadtrat in Eigenauslegung des BVV-Antrages erstellt, im Durchgang zum Innenhof der Zitadelle angebracht

Gedenktafel aus Kunststoff, durch den CDU-Stadtrat in Eigenauslegung des BVV-Antrages erstellt, im Durchgang zum Innenhof der Zitadelle angebracht

 

Wurde die Anfrage durch Gerhard Hanke, Stadtrat für Bildung, Kultur und Sport,  wie vermutet mit der ihm eigenen Verve ganz ohne Reue beantwortet, ging es bei den Anträgen etwas heißer her. Die CDU hatte insgesamt leichtes Spiel – der ursprüngliche Antrag war so nachlässig formuliert, dass bei formaler Umsetzung gar kein Fehler vorzuwerfen war.

Antrag vom 19.11.2014, SPD/GAL:

„Das Bezirksamt wird beauftragt, im Mai 2015 eine gemeinsame Plakette zum Gedenken an Wladimir Gall und des Majors Wassili Grischin anzufertigen und zum 70. Jahrestag der Befreiung der Zitadelle Spandau dort anzubringen.“

Im Haushaltsausschuss am 4.12.2014 veränderte die SPD dann den Antrag in:

„Das Bezirksamt wird beauftragt, im Mai 2015 eine Gedenktafel zum Gedenken an Wladimir Gall anzufertigen und zum 70. Jahrestag der Befreiung der Zitadelle Spandau dort anzubringen.“

Also kein Auftrag, wann, wie und wo genau und mit welchem Text und mit welcher feierlichen Veranstaltung… Ein gefundenes Fressen für die CDU, die kaum daran interessiert ist, am mittelalterlichen Festungsbau einen Spruch zu den nicht gerade geliebten russischen Befreiern vorzufinden.

Eingang der Zitadelle Spandau, rechts eine Gedenktafel  für August von Thümen, 1813 - darunter oder parallel neben dem Tor links hätte Wladimir Gall für seinen lebensgefährlichen Einsatz zur unblutigen Befreiung der Zitadelle am 1. Mai 1945 eine würdige Ehrung erfahren können!

Eingang der Zitadelle Spandau, rechts eine Gedenktafel für August von Thümen, 1813 – darunter oder parallel neben dem Tor links hätte Wladimir Gall für seinen lebensgefährlichen Einsatz zur unblutigen Befreiung der Zitadelle am 1. Mai 1945 eine würdige Ehrung erfahren können!

Selbst schuld, könnte man also sagen, besonders, da viele der SPD- und GAL-Bezirksverordneten nicht erst seit gestern das politische Spielfeld mit der CDU teilen – jedoch, es bleibt ein Armutszeugnis für die CDU, die damit erneut den Beweis angetreten hat, revisionistisch, antikommunistisch und ignorant im Leben zu stehen.

Nun sollen „nachbessernde Anträge“ für „Ordnung“ sorgen, ein detaillierterer Text und ein zweiter Antrag für eine ehrende Veranstaltung spätestens zum vierten Todestag Galls am 9. September 2015 sind gestellt – die Verschwendung von Steuergeldern wurde der SPD nun ebenso vorgeworfen, wie ein untätiger Bezirksbürgermeister. Es bleibt abzuwarten, was diesmal zur Vereitelung führen wird.

Wir wollen hoffen, dass es dann noch dem Spandauer Freund Wladimir Galls, dem 92-jährigen Gerhard Niemczyk, der als junger Soldat von dieser Art der Befreiung direkt profitierte, da er sich am 1. Mai 1945 im Inneren der Zitadelle befand, vergönnt sein wird, diese Ehrung mitzuerleben.

Weitere Veröffentlichungen folgen, da vom SBgR und dem VVN/BdA geplant ist, den Film „Ich war 19“ von Konrad Wolf, der ausführlich die Ereignisse vom ersten Mai 1945 in Spandau schildert, im Kulturhaus Spandau zu zeigen. Auf Ankündigungen ist also zu achten.

 

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