Am Grab Erich Meiers

Am Grab Erich Meiers

Auch in diesem Jahr gedachten wieder zahlreiche Antifaschist_innen der feigen Ermordung von Erich Meier durch die faschistische SA am 10/11.03.1933. Als er nach schwerer Folter von mindestens 10 Kugeln durchbohrt wurde, war Erich, der Vorsitzende der Spandauer Gruppe des kommunistischen Jugendverbandes, gerade einmal 22 Jahre alt.

Um den 80. Jahrestag dieser Tat würdig zu begehen, lud das Spandauer Bündnis gegen Rechts bereits am 09. März zu einem antifaschistischer Rundgang durch die Spandauer Neustadt ein. Am 10. März schließlich trafen sich etwa 60 Antifaschist_innen am Grab von Erich, um seiner zu gedenken. Trotz klirrender Kälte verging über eine Stunde bis alle Redebeiträge beendet waren. Den Beginn bildete der Rückblick auf das Leben und Wirken Erich Meiers im Spandau der 1920er und 30er Jahre – sein unbeirrbares Eintreten für Gerechtigkeit, seine mutigen Reden u.a. gegen Joseph Göbbels, seine verpasste Flucht aus Deutschland und schließlich seine kaltblütige „Hinrichtung“ durch die Nazischergen.
Daran anschließende Beiträge thematisierten u.a. die Parallelen zwischen dem gesellschaftlichen Klima der damaligen und der heutigen Zeit. Wieder ist es möglich geworden, dass Faschisten Menschen heimtückisch angreifen und ermorden können, ohne entsprechend dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Wieder geschieht dies unter Duldung und sogar mit Unterstützung staatlicher Sicherheitsorgane. Wieder wird der wahre Feind „links“ gesucht und antifaschistisches sowie antimilitaristisches Engagement mit hohem Eifer der Behörden kriminalisiert. (So war es nicht der reale Angriff auf ein Jugendzentrum durch Rechtsradikale am Rande ihres sogenannten Trauermarsches durch Dresden, der den Staat zum Handeln antrieb. Vielmehr bedurfte das vermeintliche Halten eines Megaphons, mit dem mutmaßlich zu Straftaten aufgerufen wurde, der staatlichen Verfolgung – vorläufiges Urteil: 22 Monate ohne Bewährung für einen friedlichen und nicht vorbestraften Gegendemonstranten!)
Doch auch auf die Probleme vor der eigenen Haustür wiesen einige Redner_innen hin: u. a. auf den alltäglichen Rassismus an Arbeitsplätzen, bei Bürgern und Behörden, auf den Anschlag des „Nationalen Widerstands Berlin“ auf das SPD-Bürgerbüro Spandaus im vergangenen Oktober oder das “Outing” eines Bündnismitglieds auf der “Feindesliste” eben jener Organisation.

Auf diese Weise konnte aufgezeigt werden, warum es mehr denn je nötig ist, sich zu erinnern und die Geschichte nicht zu vergessen. Ebenso wurde deutlich, dass es damals wie heute falsch ist, blind auf den Staat, seine Behörden und Parteien zu vertrauen. Jenseits instrumenteller Denkmuster ist es daher moralisch geboten, sich Rassisten und Faschisten kreativ und offensiv in den Weg zu stellen – egal wo und egal wie – so wie dies auch Erich tat.

Im Anschluss daran fand sich ein Großteil der Teilnehmer_innen noch zum gemeinsamen Beisammensein ein. Bei Speis und Trank sowie politischer Musik und Gedichten durch zwei großartige türkische Musiker konnten noch einmal Gedanken über die Vergangenheit und die Zukunft antifaschistischer Arbeit in Berlin und im Bezirk ausgetauscht werden. Denn wer es wirklich ernst meint, belässt es nicht bloß bei einer Lichterkette oder einem Jahrestag! Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!