Besser spät als nie!
Am fünften August 2011 wurden in Berlin-Reinickendorf zwei Stolpersteine verlegt.

 

Gunter Demnig beim Verlegen der Stolpersteine für Hans und Hilde Coppi

Es war der fünfte August 1943, an dem Hilde Coppi in Plötzensee erschossen wurde. Ihren Mann Hans hatte man bereits am 22. Dezember des Vorjahres hingerichtet – ihr blieben noch 9 Monate Zeit, um den gemeinsamen Sohn Hans zu gebären und neun Monate lang zu stillen. Diesem Hans Coppi fiel es schwer genug, in der Gruppe der Anwesenden darauf hinzuweisen, wie es ihm an diesem Tag all die Jahre ging.
Seine Eltern hatten sich einige Jahre zuvor im Kommunistischen Jugendverband kennen gelernt und etliche Aktionen gegen die Naziherrschaft unternommen. So verklebten sie zum Beispiel Aufkleber mit dem Text von Jesaja 41, Vers 24:

Siehe, ihr seid aus nichts, und euer Tun ist auch aus nichts; und euch wählen ist ein Greuel.

Die Berliner Widerstandsgruppe Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack, der sie angehörten, übernahm nicht nur die Verbreitung von Flugschriften und Klebezetteln sondern leistete Hilfe für Verfolgte, übernahm Kontakte zwischen in- und ausländischen Nazigegnern und rief zur Gehorsamsverweigerung auf. Viele von ihnen endeten daraufhin wegen Hochverrats auf dem Schaffott.

Die Stolpersteine wurden vor dem Eingang der Kleingartenkolonie (Anfang des Jahrhunderts von Flohr-Otis der Bevölkerung für diese Gartensiedlung zur Verfügung gestellt) „Am Waldessaum“ verlegt. Am ehemaligen Wohnhaus findet sich bereits eine – inzwischen etwas verwitterte und nur bei nahem Lesen erkennbare – Gedenktafel für die Widerstandskämpfer. Nach der Ermordung seiner Eltern  wuchs Hans bei den Großeltern auf – es verschlug sie nach dem Krieg aus Arbeitsgründen bis nach Berlin-Karlshorst.

Hans Coppi bei der Gedenkstunde

Das Erbe, seinen Eltern nicht nur ein Andenken zu ermöglichen sondern alles dafür zu tun, damit nie wieder Faschismus entstehen könne, hat er in vielfältiger Weise erfolgreich angenommen. In der antifaschistischen Arbeit und als langjähriger Vorsitzender des VVN/BdA ist er kein Unbekannter – desto erstaunlicher waren die Fragen der anwesenden Politprominenz, ob denn Herr Coppi schon da sei und wie er denn aussähe…

Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus – eine andere Welt ist möglich!

Stolpersteine Hans und Hilde Coppi