Gerhard Niemczyk – hier mit seinem langjährigen Freund Wladimir Gall in einem Tonstudio – es verbanden sie die Erlebnissen um den ersten Mai 1945 – der eine in der Zitadelle, der andere draußen. Gerhard war ihm immer für seine mutige Tat zur unblutigen Befreiung der Zitadelle dankbar.

Am 4. Juli 2017 starb Gerhard Niemczyk. Das erfuhren wir erst anlässlich seines 95. Geburtstages, den wir am 27.12.2017 gefeiert hätten.

Gerhard war in Spandau als interessierter Dokumentarist parteiübergreifend bekannt. Als streitbarer Geselle machte er keinen Hehl aus seiner kommunistischen Überzeugung und freute sich immer über den Kontakt zu Gleichgesinnten. Stets hatte er seine Kamera parat, verschloss sich nicht der neuen Technik und fotografierte auch noch, als er zunehmend sein Augenlicht verlor. Ihn hielt es nicht zu Hause, wenn es darum ging, rechtes Treiben im Bezirk zu bekämpfen und die Gegenwehr zu dokumentieren. Erstaunlich war bei Gesprächen zwischen seinen Archivbergen, dass er Menschen und Situationen zeitgenau und präzise benennen konnte. Vieles hat er mir erzählt über seine Kindheit, der kommunistische Vater im Gefängnis und nach dem Kriegsende gesundheitlich so angeschlagen, dass er nicht lange überlebte. Die Mutter als Stützpfeiler und er, heranwachsend, aufbegehrend gegen den Nationalsozialismus. Er erzählte davon, dass er die Fahne der kommunistischen Partei versteckt hatte und sie nach dem Krieg der DDR zur Verfügung stellte. Dort war sie bis 1990 im „Museum für Deutsche Geschichte“ im Zeughaus unter den Linden ausgestellt, später im „Deutschen Historischen Museum“ verschwand sie im Keller. Geschichte zum Wegsperren eben, wenn nicht gar zum Wegwerfen…

Erich-Meier-Ehrung auf dem Friedhof in den Kisseln 2007

Nach dem Tod seiner Frau wurde das Leben für ihn sehr viel schwerer, Krankheiten begannen und verstärkten sich. Er konnte nicht mehr auf dem Dach, im Haus oder im Garten arbeiten und benötigte zunehmend Unterstützung. Diese bekam er lange Zeit von Groß-Glienicker Freunden, manch Linken aus dem Bezirk Spandau und zunehmend von einer Frau, die bei ihm putzte und sich in seine Erzählungen vertiefte. Sein  Wunsch, noch zu Lebzeiten zu wissen, dass sein Erbe – seine vielfältigen Sammlungen nicht nur eigener Fotos sondern internationaler Kostbarkeiten, Postkarten, Schallplatten, Briefmarken und unterschiedlichster Erinnerungsstücke aus der Luftfahrt – bei Menschen oder in Museen Obdach finden, die diese zu schätzen wissen, hat sich nur teilweise erfüllen lassen.

Der Mann mit der Kamera

 

Teile seiner Geschichte haben wir vor etwa zwei Jahren in einem Interview festhalten können. Wir werden versuchen, dieses bei einer Veranstaltung der Öffentlichkeit zu zeigen und werden hier rechtzeitig dazu einladen.

Danke, lieber Gerhard, für Deine aktiven Jahre auf dieser Erde!

Dein Blick auf die Zeit wird uns fehlen!