Nur für Eingeweihte! Was vor 40 Jahren in Rambouillet hinter verschlossenen Türen begann, vollzieht sich

- idyllisch, Schloss Elmau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen auf 1008 Meter Höhe

– idyllisch, Schloss Elmau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen auf 1008 Meter Höhe

zunehmend in einem absurden, unverantwortlichen Abschottungstheater. Waren es damals nur Deutschland, Italien, Japan, Großbritannien, Frankreich, USA, die einen „eingehenden und produktiven Gedankenaustausch über die Weltwirtschaftslage, die den vertretenen Ländern gemeinsamen Wirtschaftsprobleme, deren menschliche, soziale und politische Auswirkungen und Pläne zu ihrer Lösung“ suchten, so sind es heute mit Kanada sieben Staaten und wenn Russland nicht kürzlich in inszenierter Desavoirung ausgeschlossen worden wäre, wären es 2015 acht Staaten.

Von ihnen gehen entscheidende Signale für die wirtschaftliche und damit gesellschaftliche Entwicklung aller europäischen und auch transatlantischen Staaten aus. Sie entscheiden über die Globalisierung und betreiben die Ausbeutung der wirtschaftlich schwächeren Länder zum eigenen Vorteil. Die Klauen des Kapitalismus werden gespitzt und geschliffen, bis sie jedem missliebigen Bürger oder einer Gemeinschaft oder gar einem Staat die Eingeweide aus dem pulsierenden Leib gerissen haben.

Auf Schloss Elmau zum diesjährigen G-7-Gipfel, der im Wortsinne der momentane Gipfel der Unverhältnismäßigkeit der Mittel, der Missachtung der Bevölkerung und des Badens in Pomp und Gloria ist, wird auf Einladung eines windigen Geschäftsmannes, dem eine mautpflichtige Zufahrtsstraße zum Schloss gehört, getafelt, geschwafelt und die Weltherrschaft geteilt.

Die Kosten für den Gipfel samt Schutz, wochenlanger Vorbereitung, das Zuschweißen der Gullydeckel, das Schließen von Straßen, Bahnstrecken, Geschäften und allgemeinen Zufahrtsmöglichkeiten, das Setzen von mehreren Kilometern Zaun durch ein Naturschutzgebiet, das Einrichten eines Hubschrauberlandeplatzes ebenda etc. pp. – nach Schätzungen des Bundes der Steuerzahler soll dieses Schauspiel bis zu 360 Millionen € verschlingen! Wie war das mit der Kinderarmut noch einmal, an welcher Stelle steht Deutschland mit der Anzahl der Suppenküchen?

Die Aufhebung des Schengen-Abkommens erlaubt nun wieder Grenzkontrollen. So leicht ist das mit der Veränderung von Gesetzen.

200 km beträgt die ‚Schutzzone‘ um die Weltherrschaftler. Sie wollen eben in Ruhe über den ‚Konflikt in der Ukraine‘, den ‚Kampf gegen ISIS‘, die Atom’verhandlungen‘ mit dem Iran sprechen. Vielleicht auch ein wenig über die ‚Sicherheit auf den Weltmeeren‘ und die Bekämpfung der einen oder anderen Seuche – was man eben so schafft in zwei Tagen!

Sämtliche Abschottungsversuche in den letzten Jahren, Verhaftungen, Bedrängungen, Drangsalierungen durch Polizei und Gerichte und selbst der Tod von Carlo Giuliani 2001 bei den Protesten in Genua haben nicht verhindern können, dass sich eine immer breitere Protestbewegung entwickeln konnte. 

Diesmal heißt es auf der Webseite des Protestbündnisses:

„Die Repräsentant/innen der reichsten und mächtigsten Staaten der Welt erheben den Anspruch, über die Geschicke der gesamten Welt zu entscheiden, ohne eine Legitimation dafür zu haben. Die Politik der G7-Staaten bedeutet neoliberale Wirtschaftspolitik, Krieg und Militarisierung, Ausbeutung, Armut und Hunger, Umweltzerstörung und Abschottung gegenüber Flüchtenden.“

siehe Text hier

– und es gibt klare Forderungen:

  • Weg mit den Freihandelsabkommen TTIP, TISA und CETA – die Welt ist keine Ware
  • Gegen Militarisierung und Krieg – Schluss mit den Kriegen der NATO-Staaten Grenzen auf für alle Menschen
  • Solidarität mit den Migrant/innen und Flüchtenden
  • Stoppt die Ausbeutung von Mensch und Natur – Entzieht die natürlichen Lebensgrundlagen der Profitwirtschaft
  • Gegen den sozialen Kahlschlag – Die Konzerne sollen ihre Krise selbst bezahlen
  • Stop watching us – Gegen Überwachungsstaat und den Abbau demokratischer Rechte

Jedem Einzelnen, der den Weg in die idyllische Gegend von Garmisch-Partenkirchen angetreten ist, um seinen Protest zu zeigen, gebührt unser Dank! Auf ein Nächstes – wir geben nicht auf, eine andere Welt ist möglich.