Es ist immer wieder erschreckend zu lesen, was die von der Minderheit der Bevölkerung gewählten „Volksvertreter“ so von sich geben. Was Frank Walter Steinmeier allerdings heute in der Welt am Sonntag so von sich gab, ist ein exemplarisches Beispiel für das Demokratieverständnis dieser Herrschenden.

Sicherheitskonferenz am 01.02.2014 in München. Foto: Tobias Kleinschmidt

Foto: Tobias Kleinschmidt

Zitat:

Die Euro-Gruppe und die Institutionen haben mit viel gutem Willen, mit viel Mühen und Engagement einen Kompromiss gefunden, der sicherstellen könnte, dass Griechenland wieder nach vorne blicken kann.

 

„Die Euro-Gruppe und die Institutionen“, also die Geldgeber, haben einen Kompromiss gefunden. Seltsam, lehrt uns das Wörterbuch der deutschen Sprache doch:

DWDS:

Kompromiss:

Verständigung, die durch beiderseitiges Nachgeben in einer strittigen Angelegenheit erreicht wird, beiderseitige Übereinkunft.

 

Wenn die Geldgeber eine „Übereinkunft“ gefunden haben, die Griechenland nicht akzeptiert, spricht man von einem Diktat, dem sich Griechenland nicht unterwerfen will. Sehr schön formuliert, Herr Steinmeier, eine linguistische Meisterleistung, die an Perversion und Verhetzung kaum zu übertreffen ist!

Zitat:

Ich verstehe nicht, wie eine gewählte griechische Regierung seinem Volk empfiehlt, den europäischen Vorschlag abzulehnen…

 

Wenn man bedenkt, mit welchem Versprechen die SYRIZA-Partei in Griechenland angetreten ist, und mit welch beeindruckender Mehrheit sie gewonnen hat, ist es nur verständlich, dass Herr Steinmeier unverständig reagiert. Schließlich ist er es nicht gewohnt, dass es Parteien gibt, die Ihr Volk noch als das erachten was es ist, der Souverän*!

 

*von lateinisch superanus ‚über allem stehend‘