Als am 9. November 1938 der vorläufige Höhepunkt der Pogrome zwischen dem 7. und 13. November gegen die jüdische Bevölkerung Deutschlands, Österreichs und einiger Gebiete der ehemaligen Tschechoslowakei seinen Höhepunkt fanden, war das Fazit:

  • – etwa 400 ermordete oder in den Selbstmord getriebene Menschen
  • – die vollständige Zerstörung fast aller Synagogen und Betstuben (1.406)
  • – die Zerstörung Tausender Geschäfte, Wohnungen und jüdischer Friedhöfe
  •   (in Berlin etwa 7.500 jüdische Geschäfte, Wohnungen, Gemeindehäuser und Friedhofskapellen)
  • – 30.000 in Konzentrationslager nach Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen verschleppte Männer

Zuvor waren 1938 etliche Gesetze gegen erlassen worden, die das Leben der Jüdinnen und Juden und ihrer Familien bereits erheblich einschränkten, unter anderem:

  • 28. März: Jüdische Gemeinden verlieren ihre Stellung als Körperschaften des öffentlichen Rechts
  • 23. Juli: Juden bekommen besondere Kennkarten, ab 17. August müssen sie den Zusatz Israel und Sara führen
  • 25. Juli: Jüdische Ärzte dürfen nur noch jüdische Patienten behandeln, sie heißen nun „Krankenbehandler“

Auch Synagogen wurden bereits zerstört – so am 9. Juni die Hauptsynagoge in München und am 10. August die Hauptsynagoge in Nürnberg. Der 9. November 1938 markiert damit den Endpunkt der Vorbereitungen und den Anfangspunkt der weiteren Entwicklung der gezielten Vernichtung der europäischen Juden.

Heute, am 9. November 2013, 75 Jahre danach, gehören Berichte darüber zur Seltenheit.

Medien baden sich stattdessen in Lobhudeleien über den Zusammenbruch der DDR, hat doch dieser Tag vor 24 Jahren dem herrschenden System die Chance verschafft,  Geschichte umzuschreiben, gleich zu setzen, was niemals gleich sein kann und damit alle Alternativen zum Kapitalismus im Vorfeld zu bekämpfen. Revisionismus ist seitdem täglich auf der Tagesordnung. Europa wappnet sich nach innen und außen, neonazistische Parteien sind auf dem Vormarsch, die Vertuschung von Morden vor den Augen und mit dem Geld des deutschen Verfassungsschutzes wird nur durch ein eher kurzes Aufblitzen in den Medien erwähnt – wer fragt jetzt noch nach den Verstrickungen oder berichtet darüber??? Krieg und Vernichtung, das Rauben von Lebensgrundlagen gehören ebenso zu diesem System wie die Bekämpfung und Vernichtung der Opfer dieser Politik. Die Festung Europa gefällt sich in diesem Gewand und wappnet sich weiter gegen Flüchtlinge und deren Unterstützer.

Um auf diese Entwicklungen aufmerksam zu machen und auf besonders ergreifende Weise den Brückenschlag zwischen heute und gestern zu schaffen, veranstaltet die Antifaschistische Initiative Moabit (inzwischen in Kooperation mit dem VVN-BdA und Unterstützern)  jedes Jahr am 9. November eine Gedenkkundgebung mit nachfolgender Demonstration am Mahnmal Levetzowstraße. Die Synagoge, die an diesem Ort seit 1914 stand, diente den Nazis als Sammelpunkt für Jüdinnen und Juden vor ihrem Weg in die Deportation. Der Weg der Demonstration versucht die Strecke nachzugehen, den die Menschen am helllichten Tage unter den Augen von Nachbarn und Mitbürgern zum Sammeltransport in den Tod gehen mussten.

Die Worte Primo Levis: „Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen“ sollten uns als Mahnung stets begleiten.