Stille Helden

Auch an euch, Riot Medics Berlin, habt Dank!

Für unseren Umgang mit den Parteien haben wir im Laufe der letzten drei Wochen viel Schelte abholen müssen, das bleibt jedoch nicht aus, wenn man nach seinem Selbstverständnis agiert.

Wir sind das Spandauer Bündnis gegen Rechts. Wie der Name schon erahnen lassen sollte, sind unsere primären Ziele: Kampagnen gegen Faschismus, Rassismus, Antisemitismus, Aufklärung und Mobilisierung gegen rechtes Gedankengut sowie dessen Strukturen.

Manchmal ist es auch nötig, unseren Lokalpolitikern mal eine verbale Rüge zu erteilen, damit sie ihre Komfortzone verlassen und sich auf Dinge besinnen, die sie gerade nicht im Fokus haben.

Die Grünen, SPD und Die Linke in Spandau hielten es nicht für nötig, auch nur einen Artikel auf Ihrer Startseite zu veröffentlichen. Es war ihnen genug, die in der BVV vertretenen Fraktionen unter eine Resolution zu bekommen. Das ist sehr schön, aber aktive Gegenwehr ist etwas anderes. Das Büro von Raed Saleh  in der Altstadt Spandau weigerte sich, auch nur ein Plakat zwecks Mobilisierung aufzuhängen. Geschweige denn das Angebot des wohl dann eher naiven Mitarbeiters, der das Büro als Verteilpunkt für die Plakate für alle anderen nutzen wollte, zuzulassen. Selbiges gilt für den Laden der Grünen in der Altstadt. Das nennt ihr mobilisieren? Im Ernst?!  Um es mal ganz klar zu sagen: Ich verstehe nicht, wieso man unter einem Aufruf stehen will, wenn man sich nicht die Mühe macht, selber mit allen Mitteln dazu aufzurufen! Plakate in euren Geschäftsräumen bzw. Fenstern sind schon zu viel Engagement? Für mich ist das der Inbegriff eines Lippenbekenntnisses.

Zugegeben, die SPD hat uns die Bühne am Kundgebungsort zur Verfügung gestellt, aber meines Erachtens war sie die Scherereien nicht wert. Absprachen wurden perfide unterminiert, indem man sich eine Mailadresse samt Top-Level-Domain ausgedacht hat, um uns dann später vorzuwerfen, wir würden unsere Mail’s nicht lesen. Einen Tag vor Beginn erreicht uns dann doch wie durch Zauberhand die feststehende Rednerliste samt Uhrzeiten, nicht mehr zu ändern. Wer solche „Verbündeten“ hat, muss halt öfter mal laut und öffentlich Kritik äußern, denn der logische Umkehrschluss wäre die Lossagung von solch destruktiven „Partnern“.

Dafür sind wir seit gestern auch über www.spandauer-buendnis.de zu erreichen. Wenn man uns schon eine Domain andichtet, warum nicht gleich registrieren.

Positiv sind uns unerwarteterweise die Jusos Spandau aufgefallen. Zwar haben Sie sich mit der Begründung, es stünden zu viel Antifas unter dem Aufruf, geweigert, selbigen zu unterzeichnen, jedoch haben wir sehr wohl wahrgenommen, dass sie Teile der geplanten Naziroute mit antirassistischen Juso-Wahlkampfschildern nachbestückt haben. DANKE dafür! Aber da ihr allem Anschein nach antifaschistische Organisationen für kriminellen Vereinigungen haltet, wundert es mich nicht, dass ihr uns mit Pauken und Trompeten ins Jahr 1984 zu katapultieren gedenkt. Ihr glaubt sicher schon: „Krieg ist Frieden“, „Freiheit ist Sklaverei“ und „Unwissenheit ist Stärke“.

Warum jetzt Spagat?

Aus dem Wedding

Wer nicht mit Scheuklappen durch die Stadt gelaufen ist, konnte die Aufforderung nur schwer übersehen – mit tausenden Plakaten diverser Antifa-Gruppen im gesamten Stadtbild wurde sehr erfolgreich nach Spandau mobilisiert. Wir sahen Plakate in Friedrichshain, Kreuzberg, Tegel und Neukölln. Teils von Gruppen, die nicht unter den Aufruf wollten, weil zu viele Parteien mit unterzeichneten. Sie wussten also schon, was alles schief gehen kann und wollten nicht damit assoziiert werde. Und dennoch haben sie auf eigene Kosten Plakate gedruckt und sich die Füße wund gelaufen, um sie aufzuhängen! Auch im Netz waren sie um einiges aktiver als die Spandauer Parteien. Für Spandau!

Und nun mal die nüchternen Zahlen:

Wir haben am Samstag 2300-2500 Menschen in Spandau auf die Straße mobilisiert, davon 350-400, die Parteien zuzuordnen sind. Sorry, ich weiß, das tut jetzt weh, aber die Relevanz von Parteien ist bei antifaschistischen Demonstrationen eher untergeordnet. Und das liegt an dem erwähnten Selbstverständnis antifaschistischer Strukturen, wir agieren unentgeltlich mit vollem Einsatz ohne auf Ruhm oder Wählerstimmen bedacht zu sein, meist unter Zuhilfenahme unserer privaten Finanzen. Das macht uns unabhängig, stark und unaufhaltbar.

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!