Die Italienischen Höfe in der Zitadelle Spandau als prachtvoller Ort für ein Gedenken – die Initiative Zwangsarbeit erinnern e.V., vor etwa 8 Jahren aus dem Spandauer Bündnis gegen Rechts hervor gegangen, hat das jährliche Gedenken zum 8. Mai diesmal in die Zitadelle verlagern können. Schirmherr war Helmut Kleebank, Bezirksbürgermeister der SPD. Der Runde Tisch für Demokratie und Toleranz und die Spandauer Jugendgeschichtswerkstatt waren ebenso vertreten wie Schülerinnen und Schüler der Lynar-Grundschule, des OSZ TIEM, der Bertolt-Brecht-Oberschule, des OSZ Bautechnik I  und der Werner-von-Siemens Werkberufsschule.

Henry Schwarzbaum schreibt ins Goldene Buch  stehend von links: J. Koza, Vorsteher BVV Spandau,  H. Kleebank, Bbm

Henry Schwarzbaum schreibt ins Goldene Buch
stehend von links: J. Koza, Vorsteher BVV Spandau,
H. Kleebank, Bbm

Henry Schwarzbaum, 1943 in Auschwitz von der Firma Siemens & Halske zur Produktion des Konzerns im Außenlager Bobrek zum Zwangsarbeiter „ausgewählt“, durfte sich im Goldenen Buch Spandaus eintragen und abschließend im Interview mit Lehrlingen über sein Leben, die Tage der Verschleppung und Versklavung in Auschwitz, die letzten Qualen des Todesmarsches nach Wismar und die Befreiung berichten.

Interessant war auch der Bericht über ein Projekt der Schmidt-Knobelsdorff-Schule, bei dem Schüler nach Israel reisten und in Kibbuzim zusammen mit Jugendlichen verschiedenster jüdischer Gruppen Aufbau-Projektarbeit machten. Dabei stand der Gedanke verbindenden Handelns heutiger Generationen im Mittelpunkt.

So kann Erinnerungsarbeit aussehen, die sich im HEUTE wiederfindet und von der bloßen Theorie zum lebendigen Nachfühlen führt.

Die im Gang zur Zitadelle in einer Nacht- und Nebelaktion angebrachte Tafel zur Ehrung von Wladimir Gall, der durch seinen Mut maßgeblich zur unblutigen Befreiung beitrug, war an diesem Tag kein Thema – jedoch wird darüber noch zu befinden sein. In der kommenden BVV (20. Mai, 17 Uhr) gibt es mindestens eine Bürgeranfrage zu diesem heimlichen Vorgehen, bei dem Ort und Inhalt der Gedenkplatte nicht nur Anlass zum Missmut liefern sondern auch „versäumt“ wurde, das Gedenken öffentlich zu zeigen. Das ist innerhalb dieser Tage der 70. Wiederkehr der Befreiung vom Hitlerfaschismus, zu der die Rote Armee unter größten eigenen Verlusten beitrug, nicht nur eine verpasste Chance sondern lässt auf eine abwertende Haltung bei mindestens einer Partei des Bezirksamtes schließen.

siehe auch: hier